| Was | The Cloisters |
| Wann | Samstag, 19. März 2016, ca. 11:45-15 Uhr |
| Wo | Im Fort Tryon Park an der Nordwestspitze von Manhattan |
| Typ | Museum |
| Kommentar | Ah - endlich. Es sind bestimmt schon fast zwanzig Jahre, dass der Besuch dieses Museums auf meiner Liste steht! Wenn man nämlich viel in Frankreich herumreist und sich besonders für romanische Kirchlein und Klöster interessiert, begegnet einem dort öfter der Hinweis auf eine ominöse amerikanische Institution, die ganze architektonische Ensembles oder auch einzelne Filetstücke beherbergt - ob diese arglos verkauft oder arglistig akquiriert wurden, sei dahingestellt. Ich will auch gar keine Beutekunst-Debatte anfangen, solche Situationen gibt es ja paarweise zwischen vielen Ländern. Jedenfalls liegt die Anlage von "The Cloisters" im besagten Fort Tryon Park. Dieser befindet sich oben auf einem kleinen Felsplateau, das man mit dem Aufzug von einer Straße gerade oberhalb des Broadways erreicht. Wenn mir einer vorher das Bild der Felswand mitten in der Stadt gezeigt hätte, würde ich wohl Stein und Bein geschworen haben, dass das nie im Leben in Manhattan sein kann. Man soll eben nicht schwören! Wenn man durch die Parkanlagen geht und plötzlich einen romanischen Turm über einem alt aussehenden Gebäudekomplex oberhalb des Hudson Rivers aufragen sieht, zwischen noch kahlen Bäumen, aber wie von einem Hauch von Vorfrühling umweht, wähnt man sich tatsächlich eher in Norditalien oder -spanien oder eben Südfrankreich. Es gibt dann auch nicht einen riesig großen Eingangsbereich mit großen Schildern; vielmehr "pirscht" man sich seitlich heran und öffnet dann eine Art Klosterpforte mit einem Klopfring, um sich in einem Gang wiederzufinden, von dem man noch nicht weiß, ob er der richtige ist. Und schon ist man (fast) in einer anderen Welt. Die Kasse in einer kleinen runden Gewölbehalle, die sich zu mehreren angrenzenden Räumen und Gängen öffnet, ist dann aber doch noch von unserer Welt. Und dann, nur noch ein paar Schritte weiter: der Kreuzgang von St-Michel-de-Cuxa. Die Kirche liegt im Roussillon, schon in den Pyrenäen, aber die Säulen und Kapitelle hat es zu großen Teilen hierher verschlagen, der Rest ist rekonstruiert. Wenn man einmal davon absieht, dass in dieser Saison eine Glaswand den Gang vom Garten trennt, sieht es auf den ersten Blick wirklich echt aus. Auf den zweiten Blick bemerkt man dann, dass das (neue) Gebäude vorurteilsfrei sehr verschiedene architektonische Elemente beherbergt: der Kapitelsaal kommt von ganz anderer Stelle, auch verschiedene Türbögen aus diversen Epochen (bis hin zum gotischen Flamboyant-Stil) und Kontexten (nicht alles stammt aus Klöstern) haben hier einen Platz gefunden. Brunnen, Grabsteinplatten, Wächter-Löwen und manch andere Kunstgegenstände können ebenfalls bewundert werden. In bzw. vor den Fensterbögen stehen allerlei Topfpflanzen, so auch einige Zitrusbäumchen, deren Blüten wenigstens den sonnenbeschienenen Südflügel mit köstlichem Neroliduft erfüllen. Außer diesem Kreuzgang gibt es noch drei weitere, dazu eine gotische Kapelle mit diversen Grabfiguren, mehrere Hallen mit Skulpturen, Altarbildern und verschiedenen anderen Objekten, eine Schatzkammer à la Kirchenschatz mit überwiegend christlich inspirierten Kunstwerken, zwei Säle mit Teppichen aus zwei Serien (5 von 9 Heldenteppichen, die je drei antike, jüdische und christliche "Helden" zeigen - man nehme Alexander den Großen, König David und König Artus als je ein Beispiel - und vielleicht 8 Stücke rund ums Einhorn {bei der Gelegenheit habe ich eine alternative Methode zur Wasseraufbereitung kennengelernt: man nehme ein Einhorn und bringe es einfach dazu, sein Horn in das Wasser zu halten}). Die Fenster sind fast alle aus altem Glas, viel buntes, viel Grisaille - sicher alles sehr wertvoll. Im Terrassengarten würden die Pflanzen wachsen, die auf den Einhorn-Teppichen dem horror vacui entgegenwirken - würden, wenn schon Saison wäre. So ist es leider sehr kühl und recht kahl. |
| Glanzlicht | Ja schon ... wenn man mit mittelalterlicher europäischer Kunst etwas anfangen kann. |
| Links | https://de.m.wikipedia.org/wiki/The_Cloisters http://www.metmuseum.org/visit/met-cloisters |
Sonntag, 20. März 2016
In einer anderen Welt
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