Samstag, 26. März 2016

Meeresfutter

Was Oceana
Wann Karfreitag, 25. März 2016, ca. 19-21 Uhr
Wo 120 West 49th Street
Typ Restaurant
Kommentar Am Karfreitag soll man schließlich Fisch essen - deshalb gehen wir in ein entsprechendes Restaurant, inmitten der Hochhausschluchten und ganz ohne Meeresblick. Es ist ein relativ großes Restaurant, gediegene Atmosphäre, mit alten Buchillustrationen von Fischen und Meeresfrüchten an der Wand, in goldenen Rahmen und mit dezenter Beleuchtung. Wir bekommen eine Nische für uns, da haben wir viel Platz und sogar relative Ruhe. Die Vorspeisen sehen auf der Karte so lecker aus, dass ich davon absehe, Austern zu bestellen, und auch von der Heilbutt-Ceviche mit Orangen und sizilianischem Oregano (oder so ähnlich) nicht enttäuscht werde. Diese Vorspeise ist auch tatsächlich, leicht und frisch mit leichter Säure, ein Appetizer im besten Sinn, während die frittierten Calamari (auch sehr lecker, mit Erdnuss im Ausbackteig) schon halb satt machen. Thunfisch und Lachs respektive zum Hauptgang sind auch sehr lecker und kommen mit kreativen Beilagen. Die Desserts, viel in Richtung der "warmen" Geschmäcker wie Banane, Schokolade, Walnuss/Pecan, Karamell u.ä. sind ebenfalls köstlich. Das Einzige, was man ihnen vorwerfen kann, ist, dass sie echt zu groß sind, aber eben so lecker, dass man nicht einfach die Hälfte zurückgehen lassen kann. Ich jedenfalls nicht.
Wer's mag, kann hier übrigens auch wunderbare Plateaux de fruits de mer bestellen (die hier, irgendwie prosaischer, seafood towers heißen). Sehen, wie auch in Frankreich, super aus - aber ich mag ja im Zweifelsfall sowieso die Austern darauf am liebsten, weshalb ich persönlich von den gemischten Platten immer Abstand nehme ...
Alles in allem war das ein sehr gelungenes Abendessen!
Glanzlicht
Links http://oceanarestaurant.com
https://www.zagat.com/r/oceana-new-york

Schneckauf, schneckab

Was Guggenheim-Museum
Wann Karfreitag, 25. März 2016, ca. 12-16 Uhr
Wo 1071 5th Avenue (auf Höhe der 89sten Straße)
Typ Museum
Kommentar Die Architektur des New Yorker Guggenheim-Museums ist, man hat es schon gehört, eine Sehenswürdigkeit für sich allein, da braucht es eigentlich gar keine Ausstellung. Und auch zeitgeraffte Aufnahmen der Besucherströme dürften sich für Video-Installationen eignen. Bestimmt faszinierend!
Bevor wir mitströmen können, heißt es aber wieder erst einmal in der Schlange stehen, wobei die Tascheninspektionsschlange viel länger als die Kassenschlange ist, die ihrerseits die Garderobenschlange deutlich an Länge übertrefft. Irgendwie sind mir das jetzt etwas viele Kriechtiere ... Gut, dass die Künstler David Weiss und Peter Fischli, deren gemeinsames Werk aus über 30 Jahren hier gerade ausgestellt wird, sich als Alter Ego zwei Vierbeiner ausgesucht haben, Ratte und (Panda-)Bär. Bislang kannte ich das Duo noch nicht, bin aber jetzt sehr beeindruckt von der schier unendlichen Kreativität. Hunderte kleinformatige Werke aus ungebranntem Ton (ein Glanzlicht: "Mick Jagger and Brian Jones walking home satisfied after creating the song 'I can't get no satisfaction'"), die verschiedenen Installationen rund um die kleinen und großen Fragen des Lebens ("Wohin driftet unsere Galaxie?""Warum heißt es Morgengrauen?" usw. usf.) und die "Landkarten", auf denen unter der Überschrift 'Ordnung und Reinlichkeit' Konzepte "kartiert" sind, sind meine persönlichen Lieblingsteile der Ausstellung. Und ich darf mich freuen, dass ich die wandhohe Wiedergabe des Textes "How to work better" an der Houston Street schon bei unserem Chinatown-Besuch nicht nur gesehen, sondern auch fotografiert hatte!
Und apropos fotografiert: in der Foto-Anthologie-Ausstellung sind auch tolle Bilder.
Glanzlicht Ja
Links http://www.guggenheim.org/new-york
http://fischli-weiss.com

Freitag, 25. März 2016

Bötchentour

Was Fähre nach Staten Island
Wann Donnerstag, 24. März 2016, ca. 13:15-15 Uhr
Wo South Ferry an der Südostspitze von Manhattan
Typ Sehenswürdigkeit
Kommentar Dass man die Tour in einer Stunde hin und zurück schaffen kann, wenn man sich in Staten Island nicht aufhalten will, ist ein Gerücht - die Fähren werden nämlich komplett evakuiert und man kann nicht einfach sitzenbleiben. Trotzdem lohnt es sich: man kann gratis auf schönen großen soliden Schiffen fahren, wenn man Glück hat, erwischt man eine mit zugänglichen Außenbereichen, und man hat gute Sicht auf Fräulein Freiheit und, bei der Rückkehr nach Manhattan, auf die Skyline des Financial District. In den Wartehallen kann man der Live-Musik lauschen, die dort von einzelnen Künstlern zu Gehör gebracht wird. Ob die extra eingeladen (oder gar bezahlt?!?) werden, um die Atmosphäre zu verbessern? Für ausgeschlossen halte ich das nicht ...
Glanzlicht Ja
Links http://www.siferry.com

Donnerstag, 24. März 2016

Ikonisches

Was Grand Central Terminal und Times Square am Abend
Wann Mittwoch, 23. März 2016, ca. 20-21:30 Uhr
Wo 42ste Straße, zwischen 5th Avenue und Broadway
Typ Sehenswürdigkeit
Kommentar Nach dem Steak müssen wir unbedingt noch ein paar Schritte gehen - es ist ja nicht weit zum Grand Central Terminal, also schauen wir uns erst einmal das an. Das war schon eine sehr würdige Empfangshalle für die, die mit dem Zug zum ersten Mal in New York City ankommen! Bestimmt von den New Yorkern als Beeindruckungsarchitektur konzipiert ... so ganz nach Willkommensarchitektur sieht es nicht aus. Während immer noch Züge fahren, werden die verschiedenen Bereiche auch nach neuen Konzepten genutzt. Es gibt eine schicke Feinkostzeile, in der man eben im Vorbeigehen noch frischen Fisch, Austern und Kaviar oder europäischen Käse kaufen kann; die ganze Ostterrasse in der großen Halle wird von einem Apple Store in Beschlag genommen.
Die halbe Vanderbilt-Halle ist gesperrt und auch noch ein Teil der großen Halle, denn hier werden offenbar Dreharbeiten vorbereitet. Die Gasleitungen, mit deren Hilfe die Helium-Beleuchtungsballons gefüllt werden, sind schon voll im Einsatz. Die Regiestühle warten aber noch auf ihre Be-Sitzer. Action, Action, Action!
Einige Blocks weiter (halt die 42ste Straße westwärts) sieht man schon von weitem die ersten Leuchttafeln des Times Square flimmern. Es ist heute Abend frühlingshaft bzw. fast schon frühsommerlich warm, und auf dem Platz herrscht großes Gedränge - wie vermutlich jeden Abend. Spiderman, Minnie Mouse, Sesamstraßenmonster und andere Berühmtheiten laufen dort herum und lassen sich gegen ein Trinkgeld auch gern mit Passanten fotografieren. Was nun so genau der Reiz ist? Mir erschließt es sich nicht so ganz. 
Glanzlicht Hm - muss wohl
Links http://www.earthcam.com/usa/newyork/timessquare/?cam=tsrobo1

Und jetzt ein Stück Fleisch!

Was Benjamin Steakhouse
Wann Mittwoch, 23. März 2016, ca. 19-20:15 Uhr
Wo 52 East 41st Street (unweit vom Grand Central Terminal)
Typ Restaurant
Kommentar Vegetarier bitte weglesen ... Nach unserem erschöpfenden und hungrig und durstig machenden Museumsbesuch heute dachten wir, dass man wohl auch einmal ein ordentliches Steak essen kann. Und das kann man auch! Die Karte ist sehr einfach, die ersten drei (und vermutlich häufig bestellten) Gerichte sind "Steak for two/Steak for three/Steak for four" - wir bleiben gleich beim ersten. Dazu "Benjamin's home fries", die sich dann als Bratkartoffeln entpuppen, und als "Gemüse" Zwiebeln, die in leichtem Teig knusprig ausgebacken daherkommen. Das Fleisch kommt auf einer großen Platte, es ist ein Stück mit angekohltem Knochen, von dem das Fleisch allerdings schon fachmännisch abgeschnitten wurde - und es ist wirklich super! Noch dazu kommt das Essen extrem schnell, fast sofort nach dem Aufgeben der Bestellung, vermutlich schneller, als bei McDonald's die Burger in die Verpackung kommen - das trifft sich gut, weil wir ja recht hungrig sind und weil es für die Ohren sicher nicht ganz ungefährlich ist, sich allzu lange dort aufzuhalten: es ist un-glaub-lich laut und voll, und alle Ecken in dem Raum, der sich auf zweieinhalb Etagen erstreckt, sind mit Tischen zugestellt, die offenbar alle besetzt sind und auch nach dem Freiwerden gleich wieder besetzt werden. Soweit die Ähnlichkeit mit einem Fast Food-Restaurant - Stofftischdecken und -servietten sowie ein professioneller Service heben sich davon aber deutlich ab.
Immer wieder schön sind auch die Nebentische: Links wird erst noch ein einjähriger Kindergeburtstag im Familienkries gefeiert, rechts tafelt ein mittelaltes Paar, das vielleicht aber auch erst noch eins werden will. Sie bekommt einen halben Salatkopf mit Sauce, er ein kleines Steak - soweit passt es erst einmal zum Klischee. Aber halt - das war bloß die Vorspeise: danach bekommen beide noch ein "richtiges" Steak. Puh! Ich bin recht froh, dass wir auf eine Vorspeise verzichtet haben ...
In der Zwischenzeit wurde die spanischsprachige (?) Familie von einer asiatisch aussehenden abgelöst. Die zwei jungen Männer, die dazu gehören, schlafen instantan ein, nachdem sie sich an den Tisch gesetzt haben. Auch wiederholtes Wecken hilft nicht nachhaltig. Ob die wohl später noch den Weg ins Bett gefunden haben?
Glanzlicht
Links http://www.benjaminsteakhouse.com
https://www.zagat.com/r/benjamin-steak-house-new-york

Eine Nacht im Museum? Dann sicher hier!!!

Was American Museum of Natural History
Wann Mittwoch, 23. März 2016, ca. 11:45-17:45 Uhr
Wo Central Park West, auf Höhe der 79sten Straße
Typ Museum
Kommentar Heute sieht das Wetter nach dem Frühstück etwas trübe aus - also beschließen wir, einen Museumstag einzulegen. Und warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute doch so nah gleich gegenüber dem Hotel Excelsior liegt? Das Gute ist das American Museum of Natural History. Wir nehmen das "große" Ticket mit allen Sonderschauen und stellen bald fest, dass man sich in dem riesigen Gebäude bei Terminen im Stundentakt ganz schön ranhalten muss. Da gibt es zwischen den einzelnen Sachen nicht viel Zeit, um sonst noch groß herumzusuchen. Die aktuellen Sonderausstellungen sind:
Die Dinosaurier unter uns - es geht um die Entwicklung der Vögel aus den "schrecklichen Echsen". Das Hauptstück (als Blickfang) ist ein riesiger flugunfähiger Saurier, der schon ein wenig nach Vogel aussieht - und statt Federn ein Stachelkleid trägt, von dem ich wette, dass es sich um Stachelschweinstacheln handelt. Und ansonsten habe ich gelernt, dass Vögel vielleicht ihre eigenen Eier anhand der Sprenkelmuster von Kuckuckseiern unterscheiden können - aber so richtig gut scheint das ja noch nicht zu funktionieren, sonst wären die Kuckucke ja ausgestorben ...
Die geheime Welt in uns - alles über Bakterien, mit der Hauptbotschaft, dass a) jeder von uns nicht eigentlich ein Individuum, sondern eher ein Ökosystem ist, b) wir gerade erst anfangen, die Komplexität der Zusammenhänge in der Welt der Mikroben zu verstehen, und c) wir unbedingt unsere Wahrnehmung ändern müssen, dass Bakterien etwas Schlimmes sind, das es zu beseitigen gilt, denn fast alle sind gerade so unterwegs wie jede/r von uns und will einfach nur überleben, viele sind sogar unsere Freunde und Helfer, ohne die wir nicht zurechtkommen können. Statt Küken mit Antibiotika zu behandeln, könnte man sie besser mit einem Cocktail aus 29 "guten" Bakterien besprühen, das hält sie erwiesenermaßen recht gesund. Das wird nur aus einem Grund nicht gemacht: mit 1 Cent pro Küken ist es einfach zu teuer.
Dunkles Universum - das ist die aktuelle "Space Show" in der großen Planetariumskugel. Schon beeindruckend! Es wäre noch schöner, wenn man sich in den Sitzen noch besser zurücklehnen könnte, am besten à la Liegesitz ... Aber die Bilder sind auch so toll. Unbedingt machen!
Die Nationalparks - Robert Redford kommentiert Bilder aus den verschiedenen amerikanischen Nationalparks, in denen 3 junge und sportliche Wissenschaftler allerhand Outdoor-Aktivitäten demonstrieren. Hoffentlich macht es nicht jeder so, sonst wird am Ende die gelobte Natur noch in Mitleidenschaft gezogen ...
Für den Rest ist, wie gesagt, kaum noch Zeit. Die Dino-Fossilien im vierten Stock sind groß(artig), so viele und große habe ich definitiv noch auf keinem Fleck gesehen. Burkhard schaut sich die Mineralien und Meteoriten an, ich würdige die Reproduktionen aus alten Büchern, die seinerzeit (vor der Erfindung von Fotos und Websites) noch sehr liebevoll von Künstler-Wissenschaftler-Mischwesen erstellt wurden. Und dann sind die sechs Stunden auch schon um, da war nichts mit Pause und Getränk, trotz mehrerer Museumscafés - huch, ich bin ja schon halb vertrocknet! 
Glanzlicht Ja, vor allem das Planetarium
Links http://www.amnh.org

Mittwoch, 23. März 2016

1A Fisch mit Zuckerhut

Was Sushi Samba
Wann Montag, 21. März 2016, ca. 20:30-22 Uhr
Wo West Village, 87 7th Avenue
Typ Restaurant
Kommentar Oh wow ... der Laden sieht so stylish aus, dass ich schon befürchte, dass fürs Essen keine Ressourcen übrig sind ... Die Farbwelt ist orange, die Wände sind geschwungen und wandfüllend mit halbabstrakten, gelb und rot teilkolorierten "Zeichnungen" im Stil der 1950er Jahre dekoriert. Eine Wand mit nur lose gefüllten Flaschenregalen leuchtet rotorange, und an der Decke werden zahlreiche Kristalllüster durch noch zahlreichere "Glasblütenzweige" in orange und grün ergänzt.
Auf der Karte gibt es brasilianisch-portugiesisch inspirierte Gerichte - und eben Sushi - und noch die speziellen Sushi Rolls, die beide Einflüsse in einer Speise zusammenbringen. Ich probiere eine davon und halte mich ansonsten an Nigiri Sushi (die "puristischen" aus einem Reisbällchen mit einer Scheibe Fisch drauf) - und bin sehr positiv überrascht, denn der Fisch ist wirklich richtig gut. Und zwar alles, was ich probiert habe. Ika (der "fette Radiergummi", wie ich den Tintenfisch zu nennen pflege - mag scheußlich klingen und ist es vielleicht auch, wenn es schlecht ist - aber hier ist es eben gut), Saba (Makrele), Toro (fetter Thunfischbauch) sind alle gut, und auch der Unagi (Aal), der oft kritisch ist, schmeckt hier köstlich. Wer Sushi mag: gern diesen Laden hier ausprobieren!
Und Unterhaltung gab's vom Nebentisch. Zwei gar nicht mehr ganz junge Leute diskutierten über Privacy und Co. auf dem iPhone. Sie hatte unerwünschte Nachrichten bekommen (à la SMS-Spam) und fragte sich nun, was zu tun wäre. Die Diskussion ging dann hauptsächlich um die Facebook-App und eine Messenger-App. Er versuchte ihr zu erklären, dass man auf dem Smartphone Facebook auch ohne die App benutzen könnte, nämlich über den Browser - die App nähme zu viel Platz weg und sei auch sonst "böse". Er mache es so. Das hat er in der Zeit, in der wir da saßen, mindestens 30mal gesagt. Aber dann könne sie ja keine Facebook-Updates ... Aber doch, hör zu, ich benutze die App nicht ... Aber was ist dann mit den Nachrichten ... Aber schau, Du erhältst die Updates z. B. von mir, obwohl ich die App nicht benutze ... Aber ... Aber ... Keine Ahnung, ob die an dem Abend noch irgendwann zu Ende gekommen sind. So lange konnte ich jedenfalls nicht warten.
Glanzlicht Ja - der Fisch auf jeden Fall!
Links https://www.zagat.com/r/sushisamba-new-york1
https://sushisamba.com

Dienstag, 22. März 2016

Und wo, bitte, gibt es das beste Essen unserer Galaxie?

Was Chinatown und Little Italy
Wann Dienstag, 22. März 2016, ca. 11:30-20 Uhr
Wo Rund um Spring, Mulberry und Mott Street und bis zur Manhattan Bridge
Typ Stadtviertel
Kommentar Heute machen wir eine kleine Weltreise, denn das Wetter sieht immer noch blau und sonnig aus. Wir steigen an der Canal Street aus der U-Bahn, und schon heißt der nächste McDonald's nicht mehr so, sondern (Achtung, phonetische 'Übersetzung') MaiDangLao. Die Straßen haben plötzlich zweisprachige Straßenschilder (einige jedenfalls), und auch sonst gibt es überall chinesische Zeichen. Zwei Ecken weiter liegt ein kleiner "Park", der ganz typisch chinesisch benutzt wird: Es ist laut und voll, zwei ältere Herrschaften musizieren mit original chinesischen Instrumenten, an den steinernen Tischen wird gespielt (Karten oder so etwas ähnliches wie Dame) und gegessen. Auf dem Schulsportsplatz gleich nebenan machen relativ kleine, chinesisch aussehende Kinder Leibesübungen, und gegenüber schicken sich zwei Trauerzüge an, die jeweils Verstorbenen auf ihrer letzten Reise zu begleiten. Auf der großen Chatham-Kreuzung liegt der (nicht grüne) Kim-Lau-Park, in dem der Amerikaner chinesischer Abstammung gedacht wird, die für ihre neue Heimat in den Krieg gezogen und gestorben sind. In den Straßen, zwischen zahlreichen Geschäften und Restaurants, liegen auch verschiedene Gotteshäuser und Tempel, so dass für viele Gläubige etwas dabei sein dürfte. Die Kirchen kann man ja wenigstens noch als solche erkennen - einen kleinen buddhistischen Tempel haben wir erst auf den zweiten Blick überhaupt wahrgenommen, da er sich fast gar nicht von normalen Geschäften unterscheidet.
Mittags essen wir ein paar Dim Sum im New Mandarin Court (61 Mott St) - es ist sehr chinesisch, schmeckt gut und kostet ganz wenig.
Der weitere Gang führt uns zum Mahayana Buddhist Temple direkt an der Auffahrt zur Manhattan Bridge - das ist wenigstens ein ordentlich großes Gebäude! Ich habe in diesem und in dem kleinen zuvor für jeweils 1 Dollar Spende eine aktuelle Glücks- und Erfolgsvorhersage gezogen, aber nachdem es auch beim zweiten Mal bei "Probability of Success: Moderate" (Erfolgswahrscheinlichkeit: Mäßig) blieb, habe ich auf weitere Versuche lieber verzichtet. Ich habe Urlaub, da brauche ich auch gerade keinen Erfolg. ;-)))
Bald gerät man unversehens in das, was früher mal Little Italy war und diese Tatsache jetzt noch fleißig und mit offenbar gar nicht so schlechtem Erfolg zu Geld zu machen versucht. Es ist schon früher Nachmittag, so dass wir für ein Dessert im Caffè Palermo einkehren und dort Cannoli probieren - was sonst? Laut Selbstauskunft gibt es genau hier die besten der Welt. Falls wider Erwarten irgendjemand noch nicht wissen sollte, was das ist: Es handelt sich um eine Art dicker Eiserkuchen mit nennenswertem Zimtanteil im Teig, die mit einer ziemlich heftigen Ricotta-basierten Creme mit Schokostückchen gefüllt werden. Wer vorher noch leichten Hunger verspürt haben sollte, dürfte jedenfalls kuriert sein.
Insgesamt gibt es viel mehr Chinesisches als Italienisches - Chinesisch wird auch gesprochen, Italienisch habe ich praktisch nicht gehört. Natürlich dürfen auch die Ginseng und TCM-Läden nicht fehlen. Die großen Gläser mit 20 Varietäten von getrockneten Seegurken sind für mich immer ein Glanzlicht. Ich halte mich ja schon für relativ offen, was exotische Lebensmittel betrifft, aber Seegurken ... die sehen einfach nicht gut aus, weder frisch noch getrocknet.
An vielen Häusern gibt es (offenbar professionelle) Graffiti, und in den nördlicheren Gefilden liegen schon die schicken Ausläufer der Gegend, die den wenig originellen Namen NoLIta (= North of Little Italy) trägt. Coole Boutiquen aller Arten füllen die Straßenzüge. Eine ganze Weile später kommen wir sogar an einem Bleistiftladen vorbei (ich gehe auch hinein), der wirklich außer Bleistiften nur noch Radiergummi, Anspitzer und sehr ausgewählte Notizblöcke sowie einige Buntstifte anbietet - in einem Preisspektrum von wenigen Cent bis hin zu Caran d'Ache.
Bald ist es dann auch schon Zeit zum Abendessen, und wenn es mittags Dim Sum gab, ist dann jetzt wohl Italienisches angesagt. Bei Lombardi's in der Spring Street (zwischen Mott und Mulberry Street) gibt es, ebenfalls nach eigener Auskunft, die beste Pizza von New York, Amerika und der  Welt, und das schon seit 1905 und schon immer aus dem Kohleofen. Der Anspruch ist auch in der Domain http://www.firstpizza.com dokumentiert ... Na, schlecht war die Pizza nicht, aber von der weltbesten hätte ich mehr erwartet. Und dann gab es nicht mal einen Espresso zum Abschluss! :-/
Originell ist dann noch der Milchreisladen Rice to riches schräg gegenüber - alles im Reiskorndesign und voll mit esslustigen Sprüchen. Skinny bitches out!!
Glanzlicht
Links https://de.m.wikipedia.org/wiki/Chinatown_(New_York_City)
http://www.explorechinatown.com
https://de.m.wikipedia.org/wiki/Little_Italy_(New_York_City)
https://www.zagat.com/r/lombardis-pizza-new-york

Montag, 21. März 2016

Das zweite Leben

Was Chelsea Market
Wann Montag, 21. März 2016, ca. 13-14 Uhr
Wo 9th Avenue, zwischen der 15. und 16. Straße
Typ Shopping
Kommentar Ja - ist der Chelsea Market nun ein Food Court oder eine Shopping Mall, oder einfach ein "hipper" Ort in einem "hippen" Viertel? Wie auch immer - wir haben ein Hummerbrötchen von The Lobster Place probiert und Crêpes in der Bar Suzette - das war dann unser Mittagessen. Beides sehr lecker!
Übrigens handelt es sich bei diesem Ort um ein ehemaliges Fabrikgelände (wie so oft) - hier wurden zum Glück keine allzu giftigen Stoffe verwendet oder produziert (hoffe ich jedenfalls), sondern die bekannten Oreo-Kekse. Alte Gegenstände wie z.B. nummerierte Schließfachtüren wurden zum Teil zu neuen, meist funktionslosen, aber interessant und technisch anzusehenden Dekorationen collagiert - und alles zusammen ergibt mit dem zahlreich zuströmendem Publikum einen Platz in New York, den man sich unbedingt anschauen sollte.   
Glanzlicht Ja - vor allem, da der Markt irgendwie unerwartet hinter wenig spannend aussehenden Wänden liegt.
Links http://chelseamarket.com

Privacy oder Kunstaktion? Oder: Urbane Schildkröten Oder: Die U-Bahn-fahrende Lederjacke

Gerade fällt es mir wieder ein ... eine kleine kuriose Geschichte von vor ein paar Tagen. Wir stiegen in die U-Bahn ein und bemerkten bald darauf in einer Bankecke eine Lederjacke, die scheinbar allein in einer Ecke saß, begleitet von einer gefüllt aussehenden Blue Jeans und hellbraunen halbhohen Schuhen. Aus der (geschlossenen) Jacke sahen weder ein Kopf noch Hände hervor. Ich war wirklich verunsichert, ob das vielleicht nur eine Installation wäre (oder vielleicht ein Versteckte-Kamera-Gag?) - bis sich am Ende Hose und Jacke doch wenigstens so bewegten, dass der vergleichsweise eindeutige Eindruck entstand, dass beide Kleidungsstücke von einem Menschen "bewohnt" wären. Na, da hat man wirklich Privatsphäre - allerdings auch nicht sehr viel freie Luft vor der Nase. Und vor allem kann man gar nicht die dummen Gesichter auskosten, die Leute wie ich machen, wenn sie die Jacke erblicken!!

Fette Beute zum zweiten

Dass im Central Park Jäger und Gejagte um ihren Lebensunterhalt und ihr Leben (nicht mal respektive) kämpfen, ist ja kein so großes Wunder - der Park ist mit seiner Größe und Gestaltung bekanntermaßen ein wichtiges Stück (relativer) Natur inmitten der Großstadt. Aber auch weitab von parkähnlichen Grünflächen passiert dasselbe: heute sahen wir in Chelsea, unweit der Chelsea Piers in einem schmalen, etwas traurig ausschauenden Grünstreifen einen Falken, der gerade eine Maus ergriffen hatte und nun damit davonflog. Wer hätte das gedacht? Vor allem habe ich das, glaube ich, noch nie aus so großer Nähe gesehen ...

Vegetarischer Samstagabend

Was Saravanaa Bhavana
Wann Samstag, 19. März 2016, ca. 19:30-21:30 Uhr
Wo 413 Amsterdam Avenue
Typ Restaurant
Kommentar War wohl ein bisschen leichtfertig, nicht mit genügend Vorlauf für den Samstagabend zu reservieren. Aber verhungern würden wir ja sicher nicht - und das indische vegetarische Restaurant mit dem a-lastigen Namen, das nicht nur vegane, sondern auch koschere Speisen bereit hält (meine ich jedenfalls irgendwo gesehen zu haben), hat noch einen Platz für uns. Spezialität sind hier Dosas & Co. - esse ich hier tatsächlich zum ersten Mal, obwohl ich doch schon viele Sachen ausprobiert habe. An den Nachbartischen werden die ganz spektakulären Varianten serviert - zu bestimmt 70 oder 80 cm langen Rollen gefaltete hauchdünne, leicht knusprige Fladen aus Reis- und Linsenmehl. Mein Pfannkuchen hatte nur ca. 40 cm Durchmesser - und schmeckte mir gar nicht so schlecht! Ich hatte zwar einen mit Käsefüllung (es war Paneer, dieser indische Käse, der entfernte Ähnlichkeit zu Feta aufweist) - aber mein Tipp ist es, den/die/das Dosa ganz pur zu nehmen. Die werden sowieso mit einer warmen Sauce und drei kalten Dips serviert, das reicht völlig. Wenn man gern indisch isst und die typischen Gewürze mag, ist das eine gute Empfehlung. Wenn nicht - nicht. ;-)
Glanzlicht
Links http://www.saravanaabhavannyc.com
https://www.zagat.com/r/saravana-bhavan-new-york

Sonntag, 20. März 2016

Orig Ung - aber nicht Salami

Was The Hungarian Pastry Shop
Wann Samstag, 19. März 2016, ca. 16:30-17 Uhr
Wo 1030 Amsterdam Avenue
Typ Café
Kommentar Hm - haben wir nun den Altersdurchschnitt ernsthaft angehoben oder nicht? Dafür spricht, dass der Laden offenbar überwiegend von Studenten der Columbia University frequentiert wird. Dagegen spricht, dass der nicht gerade riesige Raum mit lauter winzigen Tischen vollgestellt ist, die fast alle gut besetzt waren, so dass wir gar nicht aufgefallen sind. Und apropos winzig: Ich denke nicht, dass das Wort übertrieben ist. Ein ordentliches Laptop drauf, dann passt der Kuchenteller schon nicht mehr daneben. Vielleicht gerade noch eine Tasse (aber besser ohne Untertasse). Mir persönlich ist allerdings schleierhaft, wie man da arbeiten oder lernen kann - aber es scheint zu gehen. Links von uns sitzt ein frankophoner Farbiger mit kleinem Hütchen, der an einer ebenfalls frankophonen Arbeit schreibt bzw. redigiert, in der es irgendwie um Afrikaner in der Diaspora geht. Rechts sitzt ein junges Pärchen; die beiden wollen wohl Philosophen werden. Das gebrauchte Lehrbuch (mit einem Aufkleber, der die Vorteile gebrauchter Bücher anpreist) handelt von Ideen zur reinen Phänomenologie vs. zur phänomenologischen Philosophie, oder so ähnlich. Umpf. Ich bevorzuge die tatsächliche Erscheinung eines Mandelhörnchens, das zwar etwas zuviel Bittermandelaroma abbekommen hat, aber ansonsten lecker ist - und offenbar ein gern genommener Artikel, der auf der Rechnung durch ein lässiges "AH" für Almond Horn repräsentiert wird. Tatsächlich ist das Gebäck auch so groß, dass es eher ein Horn als ein Hörnchen ist. Angepriesen werden auch Berliner, aber die sind mit Nüssen und anderen abwegigen Zutaten - also keinesfalls das, was ich darunter verstehe.
Glanzlicht
Links http://www.wikicu.com/Hungarian_Pastry_Shop

The next big cuisine thing: Granatapfel

Was Annisa
Wann Sonntag, 20. März 2016, ca. 18:30-21 Uhr
Wo West Village, 13 Barrow Street
Typ Restaurant
Kommentar Feines Essen, leicht asiatisch angehaucht. Wir hatten das Fünf-Gänge-Menü für Unerschrockene (wie es sich gehört, wurden vorher alle besonderen Allergien und Abneigungen "abgeklopft", und ich bin ja zum Glück sehr unkompliziert, wenn es um feines Essen geht). Es gab Sashimi, einen Dumpling, im Blatt gegrillten Fisch, zweierlei vom Lamm {und hier war es, das big thing: Granatapfel auf der gegrillten Variante} und verschiedene Nachtische, eine Art von Schokolade-Brandteig-Kugeln mit Butterscotch-Füllung und bananigem Sorbet, und gegrillte Ananas mit rosa Pfeffer und Pandan-Eis (oder so ...).
Das Service-Team ist ziemlich divers ("unser" Betreuer kannte sich in Köln aus, weil er dort schon einige Male zum Musizieren war, und hatte auch ein paar Brocken Deutsch drauf) - in jeder Beziehung. Diejenige, die uns die berühmten Soup Dumplings serviert hat, hat uns jedenfalls die Essanleitung ziemlich heruntergeleiert. Das hätte wohl mit ein bisschen mehr Engagement und echtem Interesse am Kunden sein dürfen.
Es mag Jammern auf hohem Niveau sein, aber in Anbetracht der zahlreichen Vorschusslorbeeren bin ich ein wenig enttäuscht. Ich will auch nicht sagen, dass ich hungrig herausgekommen wäre - aber das Dinner dort lässt mich irgendwie unbefriedigt zurück. Und das kann nicht nur am leichten Schneegestöber vor der Tür liegen!
Glanzlicht
Links http://www.annisarestaurant.com
https://www.zagat.com/r/annisa-new-york

Fette Beute

Auf dem Rückweg vom Metropolitan Museum gab es im Central Park etwas zu sehen, das ich dort nicht erwartet hätte. Ein großer Greifvogel hatte gerade eine Taube erbeutet. Er ließ sich mit ihr auf dem Zaun einer Baseballanlage (?) nieder. Sie schlug noch heftig mit den Flügeln, aber das war relativ rasch vorbei. Bald darauf sah man die Federn fliegen. Vermutlich ist es ja auch nur ein kurzer Moment, in dem das Fleisch noch angenehm warm ist ... 
Ob die Greife wohl auch die vielen grauen Eichhörnchen als Beute betrachten, oder die rotbäckigen, amselgroßen Allerweltsvögel? (... keine Rotkehlchen, dafür sind sie zu groß und zu zahlreich, aber auch keine Amseln, dafür passt die Färbung nicht - und auf Englisch schon gar nicht, denn diese sind alles, nur keine black birds)

In Ägypten ist es warm

Was The Metropolitan Museum of Art
Wann Sonntag, 20. März 2016, ca. 13-17 Uhr
Wo 5th Avenue
Typ Museum
Kommentar Heute ist es eisig kalt - die Anzeige in der Hotellobby behauptet 32 Grad Fahrenheit, also 0 Grad Celsius. Brrrr! Darauf bin ich nicht wirklich eingerichtet. Wir beschließen also, lieber noch einmal ins Museum zu gehen. Ich möchte eigentlich lieber nicht in ein Kunstmuseum (da war ich ja gestern schon), aber im Angesicht der Kassenschlangen  (und das ist keine neue Reptil-Spezies) im Naturgeschichte-Museum gegenüber vom Hotel beschließen wir, doch lieber einen kurzen Gang quer durch den Central Park zu machen, denn wir wohnen schon ungefähr auf der Höhe des berühmten Metropolitan Museum of Art. Das Kalkül ist, dass es da auch sehr belebt sein wird, aber man nicht für spezielle Sachen anstehen muss (wie die Space Show im Planetarium). Und so ist es auch.
Dank Membership-Ausweis bekommen wir problemlos die tagesaktuellen Aufkleber, die genau die richtige Klebermischung haben, um auf allen möglichen Textilien gut zu haften, ohne beim Ablösen Probleme zu verursachen. Die kleine Garderobenschlange ist auch bald besiegt, dann sehen wir uns die ägyptische Sammlung an. Eine schier unendliche Fülle von Exponaten, von Mikro bis Makro, verteilt sich auf zahlreiche Säle. Mikro z. B. kleine einzelne Perlen, Makro z. B. monumentale Stücke von Tempelfronten, oder gleich der ganze Tempel von Dendur. Ich bin zwar keine Ägyptologin, aber das dürfte vom Feinsten sein! Und immer toll: die Begegnungen der Besucher mit den Exponaten. Da kann man stundenlang zugucken.
So weit, so gut - der teure, aber sehr schön heiße Cappuccino im American Art Café ist ausgetrunken - das war's für jetzt live aus dem Met.
Glanzlicht
Links http://www.metmuseum.org

In einer anderen Welt

Was The Cloisters
Wann Samstag, 19. März 2016, ca. 11:45-15 Uhr
Wo Im Fort Tryon Park an der Nordwestspitze von Manhattan
Typ Museum
Kommentar Ah - endlich. Es sind bestimmt schon fast zwanzig Jahre, dass der Besuch dieses Museums auf meiner Liste steht! Wenn man nämlich viel in Frankreich herumreist und sich besonders für romanische Kirchlein und Klöster interessiert, begegnet einem dort öfter der Hinweis auf eine ominöse amerikanische Institution, die ganze architektonische Ensembles oder auch einzelne Filetstücke beherbergt - ob diese arglos verkauft oder arglistig akquiriert wurden, sei dahingestellt. Ich will auch gar keine Beutekunst-Debatte anfangen, solche Situationen gibt es ja paarweise zwischen vielen Ländern.
Jedenfalls liegt die Anlage von "The Cloisters" im besagten Fort Tryon Park. Dieser befindet sich oben auf einem kleinen Felsplateau, das man mit dem Aufzug von einer Straße gerade oberhalb des Broadways erreicht. Wenn mir einer vorher das Bild der Felswand mitten in der Stadt gezeigt hätte, würde ich wohl Stein und Bein geschworen haben, dass das nie im Leben in Manhattan sein kann. Man soll eben nicht schwören!
Wenn man durch die Parkanlagen geht und plötzlich einen romanischen Turm über einem alt aussehenden Gebäudekomplex oberhalb des Hudson Rivers aufragen sieht, zwischen noch kahlen Bäumen, aber wie von einem Hauch von Vorfrühling umweht, wähnt man sich tatsächlich eher in Norditalien oder -spanien oder eben Südfrankreich.
Es gibt dann auch nicht einen riesig großen Eingangsbereich mit großen Schildern; vielmehr "pirscht" man sich seitlich heran und öffnet dann eine Art Klosterpforte mit einem Klopfring, um sich in einem Gang wiederzufinden, von dem man noch nicht weiß, ob er der richtige ist. Und schon ist man (fast) in einer anderen Welt. Die Kasse in einer kleinen runden Gewölbehalle, die sich zu mehreren angrenzenden Räumen und Gängen öffnet, ist dann aber doch noch von unserer Welt.
Und dann, nur noch ein paar Schritte weiter: der Kreuzgang von St-Michel-de-Cuxa. Die Kirche liegt im Roussillon, schon in den Pyrenäen, aber die Säulen und Kapitelle hat es zu großen Teilen hierher verschlagen, der Rest ist rekonstruiert. Wenn man einmal davon absieht, dass in dieser Saison eine Glaswand den Gang vom Garten trennt, sieht es auf den ersten Blick wirklich echt aus. Auf den zweiten Blick bemerkt man dann, dass das (neue) Gebäude vorurteilsfrei sehr verschiedene architektonische Elemente beherbergt: der Kapitelsaal kommt von ganz anderer Stelle, auch verschiedene Türbögen aus diversen Epochen (bis hin zum gotischen Flamboyant-Stil) und Kontexten (nicht alles stammt aus Klöstern) haben hier einen Platz gefunden. Brunnen, Grabsteinplatten, Wächter-Löwen und manch andere Kunstgegenstände können ebenfalls bewundert werden. In bzw. vor den Fensterbögen stehen allerlei Topfpflanzen, so auch einige Zitrusbäumchen, deren Blüten wenigstens den sonnenbeschienenen Südflügel mit köstlichem Neroliduft erfüllen.
Außer diesem Kreuzgang gibt es noch drei weitere, dazu eine gotische Kapelle mit diversen Grabfiguren, mehrere Hallen mit Skulpturen, Altarbildern und verschiedenen anderen Objekten, eine Schatzkammer à la Kirchenschatz mit überwiegend christlich inspirierten Kunstwerken, zwei Säle mit Teppichen aus zwei Serien (5 von 9 Heldenteppichen, die je drei antike, jüdische und christliche "Helden" zeigen - man nehme Alexander den Großen, König David und König Artus als je ein Beispiel - und vielleicht 8 Stücke rund ums Einhorn {bei der Gelegenheit habe ich eine alternative Methode zur Wasseraufbereitung kennengelernt: man nehme ein Einhorn und bringe es einfach dazu, sein Horn in das Wasser zu halten}). Die Fenster sind fast alle aus altem Glas, viel buntes, viel Grisaille - sicher alles sehr wertvoll. Im Terrassengarten würden die Pflanzen wachsen, die auf den Einhorn-Teppichen dem horror vacui entgegenwirken - würden, wenn schon Saison wäre. So ist es leider sehr kühl und recht kahl.
Glanzlicht Ja schon ... wenn man mit mittelalterlicher europäischer Kunst etwas anfangen kann.
Links https://de.m.wikipedia.org/wiki/The_Cloisters
http://www.metmuseum.org/visit/met-cloisters